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Weißes Blatt Papier

Hallo weißes Blatt Papier
Ich weiß ich war lang nicht mehr hier
Die Muse hat mich einfach so verlassen
Ich kann es immer noch nicht fassen

Aber während ich nun wider vor dir sitze
Gedankenverloren meinen Bleistift spitze
Merk ich, wie schnell man in dieser lauten Welt vergisst
Wie sehr man etwas eigentlich vermisst

Es gibt so Vieles, was mir an dir liegt
Eine Freiheit, die es sonst so gar nicht gibt
Die unendlichen Möglichkeiten
Auf deinen unberührten Seiten

All der Platz für jedweden Gedankenfluss
Sei es Lyrik, Prosa oder Stuss
Und auch dem gelegentlichen Pinselstrich
Verwehrst du deine Oberfläche nicht

Du scheinst immer so kühl und unbeteiligt
Dabei hat sich auf dir bereits die Welt vereidigt
Auf dir entfaltet sich das wahre Potential der Macht
Das Feuer so vieler Revolutionen wurde schon von dir entfacht

So viele Menschen haben schon vor dir gekniet
Denk an all das Wissen, dass es durch dich erst gibt
So manche Rede wär ohne dein Zutun nicht entstanden
So manche Botschaft ohne dich gar nicht vorhanden

Obwohl sich alle an deinem Anblick weiden
Bleibst du trotzdem stets bescheiden
Und machst für jeden Schreiber Platz
Auch wenn er nur kurz die Einkaufsliste zu notieren hat

Ob ich nun über den tiefsten Lebenssinn philosophier
Oder Einstrichhäuschen konstruier
Es gibt nichts, was du kritisierst
Oder worüber du ein schlechtes Wort verlierst

Du hältst mir wenn dann nur den eignen Spiegel vor
Leihst all meinen Sorgen dein helles Ohr
Die tiefsten Geheimnisse ziehst du aus meinen Fingern
Die kleinste Dosis von dir kann meine Sorgen lindern

Auf den ersten Blick wirkst du fast nackt
Ein äußerst irreführender Fakt
Denn unter deinem glattgebügelten Gewand
Verbirgst du so viel Wahrheit, die ich suchend dort schon fand

Darum sitz ich wieder hier und starr dich an
Immer wieder ziehst du mich in deinen Bann
Liegst vor mir ganz jungfräulich und unberührt
Doch von niemand andrem wird meine Hand so gut geführt

In unsrer schönen neuen Welt
In der sich scheinbar niemand mehr an sein Wort hält
Und jeder tut, wies ihm gerade passt
Weiß ich, auf dich ist stets verlass

Wir Menschen neigen ja doch zu Konfusionen
Bei dir gibt’s aber keine Kommunikationskomplikationen
Die meinen Wortfluss zusätzlich erschweren
Bei dir muss ich nie viel erklären

Ich liebe deine Einfachheit
Auf all den Reisen bist du mein verlässlichstes Geleit
Und die Verbindung zur Natur
Wahrst du stets auf deiner stabilen, hölzernen Struktur

Trotzdem tret ich nach all der Zeit ganz schüchtern an dich ran
Doch du strahlst mich wie immer an
Es gibt da etwas, dass ich dir erzählen muss
Ich glaub die Muse gab mir gerade wieder einen Kuss

Liebes weißes Blatt Papier
Ich weiß ich war lang nicht mehr hier
Danke, dass du immer so geduldig bist
Und nie auf mich vergisst

©mywritingtherapy

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